Schluss mit dem Gießkannen-Schleppen!

contact image

Vergiss die Gießkanne:

Wie du mit Ollas dein Beet clever, nachhaltig und fast von selbst bewässerst

Der Sommer ist herrlich – bis zu dem Moment, an dem man abends schweißgebadet die dritte schwere Gießkanne durch den Garten schleppt, während die Tomaten schon wieder die Blätter hängen lassen. Das Problem: Beim klassischen Gießen von oben verdunstet ein Großteil des Wassers auf der Erdoberfläche, bevor es überhaupt die Wurzeln erreicht.

Die Lösung für dieses Problem ist über 4.000 Jahre alt und feiert gerade ein riesiges Comeback: Ollas (sprich: Ojas).

In diesem Beitrag erfährst du, was hinter den cleveren Tonkrügen steckt, warum sie im Sommer dein bester Garten-Buddy sind und wie du sie in wenigen Minuten für unter 5 Euro selbst bauen kannst.

Was ist eine Olla und wie funktioniert sie?

Eine Olla ist ein unglasierter Tonkrug, der bis zum Hals im Beet eingegraben und mit Wasser gefüllt wird. Da gebrannter, unglasierter Ton porös ist, lässt er mikroskopisch kleine Mengen Wasser durch seine Wände sickern.

Das Geniale daran ist das Prinzip der Kapillarkraft: Ist die Erde um die Olla herum trocken, saugt sie das Wasser förmlich aus dem Tonkrug. Ist die Erde nach einem Regenschauer feucht, stoppt der Fluss. Deine Pflanzen holen sich also genau dann und genau so viel Wasser, wie sie gerade brauchen. Die Blätter bleiben trocken (schützt vor Pilzkrankheiten wie Mehltau) und die Verdunstung ist gleich null.

Der Spar-Effekt: Mit Ollas kannst du deinen Wasserverbrauch im Garten um bis zu 50 bis 70 % senken!

DIY-Anleitung: Ollas ganz einfach selber bauen

Fertige Ollas im Gartencenter können ganz schön ins Geld gehen. Dabei brauchst du nur ein paar Utensilien aus dem Baumarkt, um dir deine eigene Bewässerungsstation zu basteln.

Das brauchst du:

  • 2 identische Tontöpfe (unglasiert! Durchmesser ca. 15–20 cm für normale Beete).
  • 1 Tonsaugnapf / Ton-Untersetzer (als Deckel, der den oberen Topf abdeckt).
  • Wasserdichten Kleber: Am besten eignet sich Aquariensilikon oder ein frostsicherer Montagekleber.
  • Ein kleines Stück Plastik, eine Scherbe oder einen Korken (um das Bodenloch des unteren Topfes zu schließen).

Schritt-für-Schritt-Anleitung:

  1. Das Bodenloch versiegeln: Nimm einen der beiden Tontöpfe. Das wird deine Unterseite. Klebe das Abzugsloch im Boden von innen und außen bombenfest zu (z.B. mit einer Tonscherbe und reichlich Silikon). Lass es gut trocknen, damit später kein Wasser nach unten wegläuft.
  2. Die Töpfe verkleben: Bestreiche die oberen Ränder beider Tontöpfe großzügig mit dem Silikon/Kleber. Setze die Töpfe nun mit den Öffnungen exakt aufeinander, sodass ein geschlossener Hohlraum entsteht.
  3. Fugen abdichten: Streiche den überschüssigen Kleber an der Außennaht glatt, damit die Verbindung absolut wasserdicht ist.
  4. Trocknen lassen: Lass den Kleber gemäß der Herstellerangaben (meist 24 Stunden) komplett durchhärten.
  5. Dichtigkeitstest: Fülle die Olla durch das verbliebene Loch des oberen Topfes mit Wasser. Wenn an der Klebenaht oder am Boden nichts heraustropft, ist deine Olla startklar!

Der richtige Einsatz im Sommer:

So holst du das Beste raus

Damit deine Ollas im sommerlichen Beet Höchstleistungen erbringen, solltest du beim Eingraben und Bepflanzen ein paar Dinge beachten.

1. Das Eingraben

Grabe im Beet ein Loch, das tief genug ist, um die Olla fast vollständig zu verschlucken. Nur die obersten 2–3 Zentimeter des oberen Topfes (inklusive des offenen Lochs) sollten aus der Erde ragen. So verhinderst du, dass Schmutz hineingelangt, und kannst sie leicht befüllen.

2. Der richtige Pflanzabstand

Der Radius, in dem eine Olla die Erde feucht hält, hängt von ihrer Größe ab. Als Faustregel gilt bei einem 20-cm-Topf: ca. 20 bis 30 cm rund um die Olla. Pflanze deine Starkzehrer wie Tomaten, Gurken, Zucchini oder Paprika im Kreis direkt um die Olla herum. Die Wurzeln werden in den kommenden Wochen gezielt zur Olla hinwachsen und sich an den feuchten Ton schmiegen.

3. Abdecken nicht vergessen!

Setze den Ton-Untersetzer verkehrt herum als Deckel auf das obere Loch. Das hat zwei wichtige Gründe:

  • Es verdunstet kein Wasser nach oben.
  • Es wird verhindert, dass Stechmücken die Olla als Brutstätte nutzen oder Schnecken hineinkriechen.

4. Befüllen und Mulchen

Fülle die Olla mit dem Gartenschlauch oder der Gießkanne auf. Je nach Hitze und Bepflanzung reicht es im Sommer völlig aus, die Olla alle 3 bis 5 Tage nachzufüllen. Tipp: Wenn du das gesamte Beet zusätzlich mit einer Schicht Stroh, Rasenschnitt oder Laub mulchst, bleibt die Feuchtigkeit noch viel länger im Boden.

Schnell-Check:

Vor- und Nachteile auf einen Blick

Vorteile

Nachteile

Enorme Wasserersparnis (keine Verdunstung)

Nicht frostsicher (müssen im Herbst raus)

Zeitersparnis (nur alle paar Tage füllen)

Einmaliger Aufwand beim Eingraben

Gesündere Pflanzen (trockene Blätter)

Nicht für sandige Böden geeignet (Wasser fließt zu schnell ab)

Unkraut-Bremse (da die Oberfläche trocken bleibt)

Wurzelgemüse (Möhren etc.) profitiert weniger

Die entspannteste Art zu gießen

Mit Ollas tust du nicht nur deinem Geldbeutel und der Umwelt einen Gefallen, sondern auch deinen Pflanzen. Sie bekommen eine gleichmäßige, stressfreie Wasserversorgung direkt an den Wurzeln. Und du? Du kannst dich an heißen Sommerabenden entspannt mit einem Kaltgetränk im Liegestuhl zurücklehnen, während deine Tontöpfe die Arbeit für dich erledigen.

Hast du schon einmal mit Ollas gearbeitet oder baust du dir jetzt deine erste eigene?